Die
Verwaltung des Landkreises Teltow-Fläming war, bedingt durch
die Entstehung aus drei Altkreisen, auf ca. 20 Gebäude an verschiedenen
Standorten im Landkreis verteilt. Die räumliche Trennung der
Verwaltungseinheiten verursachte eine erhebliche, wachsende finanzielle
Mehrbelastung für den Verwaltungshaushalt des Kreises durch Kosten
für Bauunterhaltung, Mieten, Personal- und Kommunikationsaufwand.
Zielsetzung
Aufgrund dieser Situation beschloss der Kreistag im Februar 1994
den Neubau eines Verwaltungsgebäudes. Ziel war es, trotz hoher
Anforderungen an Funktionalität und Ausstattung des neuen Kreishauses
möglichst günstige Baukosten, optimale Finanzierungskonditionen
und eine kurze Bauzeit zu erreichen. Gleichzeitig wurde nach einer
Lösung gesucht, die es ermöglichte Zins- und Tilgungszahlungen
für den Neubau erst mit Nutzungsbeginn zu zahlen. Eine gleichzeitige
Belastung aus Mieten und Kosten für über 20 Dienstgebäude
und aus dem Kapitaldienst für einen Neubau hätten den
Haushaltsrahmen überschritten.
Zunächst erfolgten umfangreiche Voruntersuchungen zur künftigen
Arbeitsorganisation der Kreisverwaltung, danach wurde in einem Architektenwettbewerb
der Entwurf des Architektenbüros Schmitz Aachen GmbH als Vorgabe
für das künftige Kreishaus ermittelt.
Vergabeverfahren
Mit der Konzeption und der Beratung bei der Durchführung des
Vergabeverfahrens wurde die VBD Beratungsgesellschaft für Behörden
beauftragt. Sie strukturierte das Verfahren, entwickelte ein umsetzbares
Finanzierungskonzept und entwarf entsprechende Verdingungsunterlagen.
Ausgeschrieben wurde die privatwirtschaftliche Finanzierung des
Neubaus des Kreishauses mit anschließender langfristiger Nutzungsüberlassung
an den Landkreis. Dazu wurde ein Verhandlungsverfahren nach einem
europaweiten, öffentlichen Teilnahmewettbewerb gemäß
Dienstleistungsrichtlinie 92/50/EWG durchgeführt (diese Regelungen
wurden erst ab 01. November 1997 in die VOL/A aufgenommen).
Grundlage dieser Ausschreibung war eine Genehmigungsplanung mit
Teilen der Ausführungsplanung sowie Vorgaben zur gewünschten
Finanzierung. Am Teilnahmewettbewerb beteiligten sich 15 deutsche
Unternehmen. Die fünf ausgewählten Bieter gaben am 02.
Oktober 1997 fristgemäß ihre Angebote ab.
Aufgrund des durch die VBD entwickelten Konzepts war es den Bieter
möglich, trotz umfangreicher Vorgaben, wirtschaftliche Angebote
zu unterbreiten. Alle Angebote beruhten auf Leasingmodellen, da
bei diesen aufgrund des Fördergebietsgesetzes zu diesem Zeitpunkt
noch Sonderabschreibungen in die Kalkulation der Refinanzierung
einbezogen werden konnten.
In mehreren Verhandlungsrunden konnte der Landkreis Teltow-Fläming
gemeinsam mit der VBD zunächst mit fünf, dann mit drei
und letztendlich mit den besten beiden Bietern eine Optimierung
der Angebote erreichen.
Prüfung der Angebote
Nach sorgfältiger Prüfung aller für eine PPP-Lösung
relevanter Faktoren wie Baukosten, Finanzierungskosten, Nebenkosten,
Risiken der besonderen Finanzierungsart, Kompetenz des Baumanagements
der Leasinggesellschaft durch die VBD Beratungsgesellschaft für
Behörden mbH erhielt am 07. Januar 1998 das optimierte Angebot
der CommerzLeasing und Immobilien GmbH den Zuschlag.
Die Baukosten von 33,5 Mio. € lagen im Vergleich zu der vorab
durch den Landkreis erstellten Kostenberechnung nach DIN 276 um
11,2% niedriger. Den anfänglichen Zins- und Tilgungsraten in
Höhe von jährlich 1,80 Mio. € standen Einsparungen
aus Entmietung und Aufgabe von anderen Verwaltungsstandorten in
Höhe von ca. 1,84 Mio. € p. a. gegenüber. Da die
Bauzeit mit 17 Monaten weniger als die Hälfte der ursprünglichen
Planung betrug, konnten durch die frühere Entmietung weitere
Einsparungen erzielt werden.
Risikoverteilung
Die Risikoverteilung wurde wie folgt geregelt: Der Auftragnehmer
trug während der Bauzeit die Bauherrenrisiken, Preis- und Terminrisiken
und das Risiko der Insolvenz des Generalunternehmers. Darüber
hinaus trägt er das Risiko des Untergangs und der dauerhaften
Nichtbenutzbarkeit des Gebäudes, ebenso wie das Verwertungsrisiko.
Beim öffentlichen Auftraggeber verblieben während der
Nutzung die Risiken aus Gewährleistung, Unterhaltung und Betrieb,
sowie das Risiko künftiger Gesetzesänderungen, insbesondere
des Steuernrechts.
Wirtschaftlichkeitsvergleich
Der Wirtschaftlichkeitsvergleich zwischen Leasingvertrag und konventioneller
Beschaffung wurde ebenso wie die wirtschaftliche Angebotsauswertung
zuvor durch die VBD Beratungsgesellschaft für Behörden
erstellt. Im Vergleich mit den ermittelten Kommunalkreditkonditionen
in Höhe von 5,69% war die interne Verzinsung des Leasingmodells
mit 4,90% p.a. wesentlich günstiger. Auch unter Berücksichtigung
der Transaktionskosten war der Barwert der Leasingzahlungen über
die Laufzeit von 22 Jahren gegenüber dem Eigenbau um ca. 15%
geringer.
Dies wurde auch dadurch erreicht, dass sich der Landkreis Teltow-Fläming
an der Objektgesellschaft als Kommanditist beteiligte und so keine
Kosten für Grunderwerbsteuer anfielen. Diese Beteiligung des
Landkreises an einer privaten Gesellschaft war ein wesentlicher
Punkt im notwendigen Genehmigungsverfahren, da diese neben Leasingvertrag
und Erbbaurecht ebenfalls genehmigt werden musste. Erst nach längerer
Diskussion mit der Aufsichtsbehörde wurde auch die Beteiligung
des Landkreises an der Objekt-Gesellschaft genehmigt.
Fazit
Der architektonisch ansprechende Neubau der Kreisverwaltung wurde
zu den vertraglich vereinbarten Kosten von Ende März 1998 bis
Oktober 1999 nach 18 Monaten Bauzeit realisiert. Der Landkreis nutzte
die vertraglichen Regelungen und begann erst dann mit Leasingzahlungen,
nachdem das Gebäude frei von wesentlichen Mängeln übergeben
wurde. Die Erwartungen in die Qualität und Funktionalität
des Gebäudes wurden erfüllt. Hinsichtlich einer weiteren
wichtigen Forderung des Landkreises – die Einbeziehung von
Unternehmen aus der Region – hatte sich die Objektgesellschaft
vertraglich verpflichtet, mindestens 70% der Bauleistungen in Berlin
und Brandenburg zu vergeben.
nach oben
|