| Der
Einsatz privatwirtschaftlicher Alternativen zur Finanzierung von Investitionen
der öffentlichen Hand hat sich bereits für viele Projekte
ausgezahlt. Wir stellen zwei Beispiele aus der kommunalen Praxis vor.
Bund, Länder und Kommunen nutzen privatwirtschaftliche Alternativen
wie Leasing, Mietkauf, Miete oder Forfaitierung zur Finanzierung
von dringend erforderlichen Erweiterungs-, Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen
insbesondere in der öffentlichen Infrastruktur. Die Bereitschaft,
alternative Realisierungsformen in Betracht zu ziehen, hat sich
für viele Projekte ausgezahlt. Kürzere Bauzeiten, erhebliche
Reduzierung der Baukosten, Mobilisierung innovativer Lösungen,
höhere Flexibilität bei Leistungsstörungen, Kostensicherheit
und zusätzlicher Know-how-Transfer, sind Vorteile, die in der
Praxis immer wieder genannt werden und sich an zahlreichen Projekten
belegen lassen.
Dabei zeigt sich, dass Erfolg oder Misserfolg der sogenannten PFI-Modelle
im starken Maße davon abhängen, wie die öffentliche
Hand alternative Finanzierungs- und Realisierungsvarianten vorbereitet
und ausschreibt. Erfahrungen besagen, dass eine Reihe von Überlegungen,
Entscheidungen und Maßnahmen sowohl vor der Auslobung als
auch während des Vergabeverfahrens erforderlich sind, um eine
erfolgreiche Umsetzung zu gewährleisten.
Zunächst sollten die Ziele, die die öffentliche Verwaltung
beziehungsweise die Entscheidungsgremien mit der Investition verbinden,
definiert, sowie die PFI-Modelle, die ein Erreichen dieser Ziele
ermöglichen, bestimmt werden. Darüber hinaus ist es erforderlich,
das Vergabeverfahren, die Methoden des Wirtschaftlichkeitsvergleichs
und die Bewertungskriterien festzulegen und das in der Regel erforderliche
Genehmigungsverfahren rechtzeitig abzustimmen.
In der Praxis werden die Kommunen – je nach konkreter Situation
– unterschiedliche Rahmenbedingungen vorfinden und daher auch
bei der Umsetzung von PFI-Modellen unterschiedliche Wege gehen.
Die beiden hier vorgestellten Beispiele aus der kommunalen Praxis
verdeutlichen dies. Sie zeigen, dass es vorteilhaft ist, bei anstehenden
Investitionsentscheidungen stets auch über alternative Realisierungsformen
nachzudenken. Dabei helfen weder pauschale Vorurteile noch übertriebene
Erwartungen. Vielmehr gilt es im konkreten Einzelfall zu prüfen,
ob sich die angesprochenen Vorteile erzielen lassen und wie die
Interessen der Kommune am besten durchzusetzen sind.
Neuenhagen - Kita günstig gebaut
In der brandenburgischen Gemeinde Neuenhagen bei Berlin sollte
planmäßig aufgrund einer Kindertagesstätten-Entwicklungskonzeption
das Angebot an Kindergartenplätzen erhöht werden. Die
vorhandenen Kindertagesstätten entsprachen zum Teil nicht mehr
den gesetzlichen Vorschriften. Deshalb sollte zunächst eine
neue Tagesstätte mit 200 Betreuungsplätzen entstehen.
Die mit der Planung und Abwicklung dieses Projekts beauftragte Kommunale
Entwicklungsgesellschaft Neuenhagen (KENeu) entschloss sich, auch
die Realisierung über alternative Projektfinanzierung zu prüfen
und gab eine entsprechende Studie bei der VBD Beratungsgesellschaft
für Behörden in Auftrag.
In der Diskussion wurden die Ziele noch einmal konkretisiert:
- Die Kindertagesstätte sollte langfristig genutzt werden
und in das Eigentum der Gemeinde übergehen
- Die Zahlungsverpflichtungen für den Gemeindehaushalt sollten
erst nach Fertigstellung der neuen Tagesstätte voll wirksam
werden und durften einen bestimmten Rahmen nicht überschreiten.
Die KENeu hat die Kapazität und Kompetenz, um die Bauherrenaufgaben
für dieses Projekt für die Gemeinde zu übernehmen.
Der Standort wurde durch die Gemeinde festgelegt, Grundlage der
Angebote sollten konkrete Planungsvorgaben sein.
Die VBD erstellte Modellrechnungen für verschiedene in Frage
kommende Alternativen, sowohl für den Eigenbau durch die Gemeinde
als auch für Leasing-, Mietkauf- und Forfaitierungsmodelle.
Dabei zeigt sich, dass eine alternative Projektfinanzierung, bei
der für 75 Prozent der Gesamtinvestitionskosten in zinsgünstiger
Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau genutzt werden können,
die Alternative mit den insgesamt geringsten Belastungen für
die Gemeinde darstellen würde.
Die KENeu schrieb das Projekt auf Grundlage eines Gemeinderatbeschlusses
nach den Empfehlungen der VBD aus. Das günstigste Angebot war
ein Forfaitierungsmodell, das im Vergleich zu den geschätzten
Kosten der bereits gesenkten Entwurfsplanung noch einmal 15 Prozent
geringere Baukosten enthielt. Auch nach Berücksichtigung der
Nebenkosten und des Aufwands während der Bauzeit für die
KENeu, die bei diesem Modell die Bauherrenfunktion behält,
blieb es die wirtschaftlichste Alternative.
Der von der VBD erstellte Wirtschaftlichkeitsvergleich wurde der
Kommunalaufsicht des Landkreises Märkisch-Oderland vorgelegt,
diese genehmigte den Forfaitierungsvertrag, und neun Monate nach
Bekanntmachung der Ausschreibung konnten die Bauarbeiten im März
2001 beginnen. Im September 2001 wurde die Kindertagesstätte
übergeben. Die Gemeinde war mit dem Ergebnis so zufrieden,
dass sie beschloss, eine weitere Kindertagesstätte und eine
Turnhalle mittels alternativer Projektfinanzierung zu errichten.
Kreis Peine - Neue Schule „eingekauft“
Der Landkreis Peine (Niedersachsen) hatte beschlossen, den Neubau
einer Integrierten Gesamtschule im Rahmen von PFI zu realisieren.
Das Vergabeverfahren wurde nach einer Konsultation mit der Kommunalaufsicht
festgelegt.
Im Gegensatz zur Gemeinde Neuenhagen hatte sich der Landkreis Peine
entschlossen, nicht nur die Bau- und Finanzierungsleistungen, sondern
auch den Entwurf am Markt einzukaufen – eine Vorgehensweise,
die es den Anbietern ermöglichte, eine komplette Gesamtlösung
anzubieten und die verschiedenen Teilleistungen (Planen, Bauen und
Finanzieren) von Anfang an aufeinander abzustimmen, um so Kosten
zu optimieren.
Die bautechnischen, funktionalen und pädagogisch-konzeptionellen
Anforderungen flossen nach ausführliche Diskussionen und Erörterungen
in eine funktionale Leistungsbeschreibung ein, die neben den exakten
Vorgaben für die Finanzierung von den Bietern zu erfüllen
war.
Bei dieser Form der Ausschreibung reicht es nicht aus, die üblichen
Kriterien für die Wirtschaftlichkeit, wie zum Beispiel den
Barwert zu betrachten. Auch der Entwurf selbst, die architektonische
Gestaltung und die Erfüllung der funktionalen Leistungsbeschreibung
muss bewertet werden. Bewährt hat sich dabei ein Punktesystem,
das eine transparente Bewertung und Gewichtung aller Faktoren erlaubt
und deren Dokumentation ermöglicht. Wichtig ist es, diese Bewertungskriterien
sorgfältig auszuwählen, zweifelsfrei zu formulieren und
in die Verdingungsunterlagen aufzunehmen.
Die Arbeit in aufgabenspezifischen Projektgruppen und die Kommunikation
zwischen den Gremien des Landkreises und der Stadt Peine und ihren
Verwaltungen, den zuständigen Behörden auf Landesebene
sowie Eltern und Lehrern ist durch eine straffe Organisation und
Arbeitsweise der Projektleitung mit regelmäßigen Briefings
koordiniert worden. Dadurch waren alle Beteiligten immer informiert
und Entscheidungen konnten innerhalb kürzester Zeit getroffen
werden.
Die enge Zusammenarbeit ab Planungsphase mit der zuständigen
Kommunalaufsicht während des gesamten Verfahrens hatte sich
auch in diesem Fall bewährt. Die Genehmigung der Bezirksregierung
Braunschweig zum Vertrag wurde innerhalb von wenigen Tagen erteilt.
20 Monate nach Bekanntmachung konnte der Schulbetrieb aufgenommen
werden. Die Gesamtinvestitionskosten waren im Rahmen des gewählten
Mietkaufmodells um 36 Prozent geringer als die ursprünglichen
Kostenberechnungen der Bauverwaltung nach DIN 276.
In Peine zeigte sich auch, welche Vorteile es für die öffentliche
Hand haben kann, Risiken auf den privaten Anbieter zu übertragen.
Als der Generalunternehmer wenige Monate vor der geplanten Übergabe
in finanzielle Schwierigkeiten geriet, übernahm die als Bauherr
agierende Objektgesellschaft des privaten Anbieters alle notwendigen
Schritte, damit ohne Verzögerungen weitergebaut werden konnte.
Die Objektgesellschaft stand unter dem Druck vertraglich fester
Vereinbarungen des Preises und des Übergabezeitpunktes. Sie
konnte aber auch deshalb kurzfristig reagieren, da sie als Privatunternehmen
nicht an die Formalien des öffentlichen Vergaberechts gebunden
war. (Lars Fischer)
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